gefälligkeit


ist kein argument

während meines studiums an der akademie der bildenen künste in münchen bin ich öfters an die grenzen des uns vermittelten designleitsatzes des bauhauses 'form follows function' gestossen.

 

im laufe des designprozesses kommt man als designer immer wieder an punkte, an denen dieser leitsatz keine funktionierende entscheidungsgrundlage mehr darstellt. so ist es für die funktion eines tisches grundsätzlich unerheblich ob dessen beine nun rund oder eckig ausgeformt sind. wenn dann auch abstrakte funktionen/an- forderungen an preis o.ä. keine rolle spielen, ist der designer dazu gezwungen eine gefälligkeitsentscheidung zu treffen. der entwurf wird dadurch stark angreifbar. gutes design ist in jedem detail nachvollziehbar bzw. erklärbar und in keinem fall mit den persönlichen präferenzen der designerin/des designers zu rechtfertigen.

 

die herangehensweise an die formfindung meiner objekte hat sich dadurch grundlegend geändert. ich wollte mich von nun an möglichst weit von der konkreten formgebung distanzie- ren um mich mehr der 'intelligenz' und dem 'willen' der materialität zu widmen. meine aufgabe als designer sah ich von da an primär darin den gebrauch eines objektes zu gewährleisten. dessen genaue ausformung sollte lediglich die logische konsequenz der materialität oder des fertigungsprozesses sein.

 

ein ähnlicher ansatz findet gerade im digitalen entwer- fen großen anklang. bei sogenanntem parametrischen design wird die form eines objektes nicht mehr konkret vorgegeben, sondern in abhängigkeit einer funktion in verbindung mit dessen materialität gestellt. dieses verfahren hat in der architektur mittlerweile einen sehr hohen stellenwert eingenommen. so wurden zum beispiel die akustik-panele der elbphilharmonie von herzog & de meuron komplett parametrisch entworfen.


in zusammenarbeit mit dem akustiker yasuhisa toyota und benjamin koren, die eigens einen auf die geometrie des raumes zugeschnittenen algorithmus geschrieben hatten, entstanden 10.000 verschiedene akustik-paneele – alle mit einer für deren individuellen anforderungen zugewiesenen funktion. je weiter ein akustik-paneel zum beispiel von der geräuschquelle entfernt war, desto größer mussten die rillen darin sein um den hall perfekt absorbieren zu können.

 

diese und weitere funktionen muss der entwerfer den objekten im gestaltungsprozess zuweisen. deren endgültige form ist dann die reine konsequenz der vorher bestimmten anforderungen. diesen gedanken wollte ich auch bei analogen fertigungstechniken anwenden. heute stellt er den grundstein jeder meiner entwürfe dar.

jedes material besitzt sozusagen eine „intelligenz“. es reagiert unter verschiedenen umständen in verschiedenen aggregatszuständen auf seine umwelt und deren einflüsse. diese materialintelligenz versuche ich aus jedem meiner objekte herauszukitzeln.

 

mein eingreifen in die formgebung soll sich dabei auf ein minimum reduzieren. ich muss im analogen raum also lediglich die absolut notwendigen parameter festlegen um dem objekt eine oder mehrere funktionen zuzuweisen. durch das arge „sich selbst überlassen“ der materialien mit denen ich arbeite, entstehen so oft sehr archaische, immer aber unikale gegenstände mit organischem charakter.